Das Bauhaus Weimar

„Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft, der alles in einer Gestalt sein wird: Architektur und Plastik und Malerei, der aus Millionen Händen der Handwerker einst gen Himmel steigen wird als kristallenes Sinnbild eines neuen vollkommenen Glaubens.“

Dies schrieb Walter Gropius 1919 in seinem Manifest zum Bauhaus nieder und erfand so eine ganz neue Art der Universität. Mitten in der Stadt Weimar gründete der Architekt eine Akademie, die von Gleichheit und Emanzipation nur so strotzte. Denn jegliche vorher geltenden Zugangsbedingungen wurden aufgehoben, von den 150 bis 200 Studierenden waren 25 bis 50 % Frauen und 17 bis 30 % ausländische Studenten. Gropius wollte deutlich machen, dass ein kunsthandwerklich begabter Mensch nicht durch eine Rasse oder ein Geschlecht ausgewählt werden dürfe. Auch der Schulabschluss spielte weitgehend keine Rolle.

Die gemeinsame Arbeit am Bauhaus band alle Werkstätten in das „Einheitskunstwerk“ ein. Die vielen unterschiedlichen Arbeits- und Lernplätze bildeten die Werkstätten, darunter z.B. eine Bühnenwerkstatt, in der die darstellenden Künste gefördert wurden, eine handwerkliche Stätte, in der die Künstler ihre Ideen immer selbst verwirklichen sollte. Eine Unterscheidung zwischen dem einfachen Handwerker und dem begabten Künstler sollte hier nicht gemacht werden, jeder half mit. Im Mittelpunkt stand jedoch immer der Mensch, befand sich das Bauhaus auch in einer technikorientierten Welt unter den Einflüssen des Konstruktivismus. Dieser Kunststil zielte darauf ab, sich so wenig wie möglich zu verkünsteln und eher Dinge zu schaffen, die für den Menschen nützlich und schön zugleich waren. Das Bauhaus musste aus politischen Gründen 1925 schließen, Gropius schaffte es jedoch, in Dessau wieder ein Bauhaus aufzubauen, das noch größer und bedeutender wurde.

Bei unserer kurzen Besichtigung der Bauhausuniversität konnte man viele Elemente wiederfinden. Im älteren Van-de-Velde-Bau aus dem Jahre 1905/1906 tanzten bunte Körper am Treppenaufgang. Dieser Figurenfries stammte von Oskar Schlemmer. Durch die Ungeordnetheit der der Figuren und die bunten Farben sollte die Vielfalt des Studentenkörpers ausgedrückt werden. Als gesamte Gruppe stellten wir an der Treppe das berühmte Bild „Bauhausstudenten im Gropius-Atelier“ nach. Auch die andere skurril wirkende Kunst an den Wänden aus geometrischen Formen, meist wild durcheinander gewürfelte Dreiecke und Quadrate, wirkte beeindruckend.

"Bauhaus-Studenten"

Doch wir waren ja hauptsächlich in Weimar, um unserem Namensgeber Johann Wolfgang von Goethe auf den Spuren zu sein. Kann man den Dichter auch mit dem Bauhaus in seiner Wahlheimat in Verbindung setzen?

Tatsächlich spielte Goethes Farbenlehre keine unbedeutende Rolle in der Kunstschule. Der Bauhausmeister Johannes Itten entwickelte für alle Studenten einen Vorkurs, der mit Paul Klee und Kandinsky in die verschiedenen Farbenlehren einführte. Zwar war Goethes Lehre nie Teil des Lehrplans, wurde aber indirekt immer wieder zitiert. So erwähnte Itten in seinem später veröffentlichten Buch „Kunst der Farbe“ (1961) die künstlerische Wirkung der Farben und das subjektive Erleben der Kontraste. Er untersuchte die Wirkungen der Farben zueinander und stellte deren Zusammenhänge dar. Dabei, so sagt er es selbst, orientierte er sich an Goethe. Seine Lehre gab Itten an die Schüler weiter und erlangte so hohes Ansehen.

Goethes Farbenkreis

Also hat Goethe auch hier wieder, wie in ganz Weimar, seine Spuren hinterlassen.

Text: Deborah Gerwin, 3. Semester (Schuljahr 2017/18)
Foto 1: Sophie Bahr, 3. Semester (Schuljahr 2017/18), Foto 2: wikipedia