Philosophie

Die Idee humanistischer Bildung hebt neben der persönlichkeitsbildenden Funktion von Sprache und Sprachen auch diejenige philosophischen Denkens hervor. Das zielt formal auf die besondere Schulung schlüssigen Argumentierens und begrifflicher Präzision, inhaltlich auf zeitlose Grundsatzfragen des Menschseins, wie sie sich in den historisch gewachsenen Teildisziplinen des Faches abbilden:

  • Wie sollen wir leben? (Ethik)
  • Was ist das Wesen des Menschen? (Anthropologie)
  • Was können wir wissen? (Erkenntnistheorie)
  • Wie verhalten sich Sprache und Wirklichkeit zueinander? (Sprachphilosophie)
  • Woraus besteht die Welt? (Ontologie) Was ist das Schöne? (Ästhetik)
  • Was liegt der Wirklichkeit zugrunde? (Ontologie)

Ihren Ausgang nahm die abendländische Philosophie bei den alten Griechen. Hier wurden die genannten Fragestellungen nicht nur erstmalig diskutiert und wegweisend formuliert, hier bildete sich auch eine bis heute maßgebliche philosophische Terminologie heraus.

Als grundständiges Gymnasium mit den klassischen Sprachen Latein und Griechisch ist es dem Goethe-Gymnasium in besonderem Maße möglich, Europas kulturelle wie philosophische Fundierung in der Antike zu vermitteln. Andererseits stellen antike Positionen auch eine hilfreiche Kontrastfolie gegenüber den Standpunkten der Neuzeit dar, um die eigene mentalitätsgeschichtliche Prägung relativieren zu können.

Neben diesen kulturellen Ansprüchen verschreibt sich der Fachbereich Philosophie aber auch einem sprach- und schreibdidaktischen Anliegen: Da die Diskurse der Philosophie maßgeblich im Medium der Sprache verfasst sind, steht und fällt der Philosophie-Unterricht mit dem Sprachvermögen seiner Teilnehmer. Infolgedessen messen wir dem Verfassen von philosophischen Essays eine besondere Bedeutung zu, einer Textsorte, die sich – wie das Fach – zwischen reflektierter Subjektivität und gedanklicher Stringenz bewegt und in stilistisch ansprechender Weise fachlich zu fundieren ist.

Das Wahlfach Philosophie wird als Grundkurs dreistündig unterrichtet und kann als drittes, viertes oder fünftes Prüfungsfach gewählt werden. Als ein hervorstechendes Anliegen des Philosophie-Unterrichts der Oberstufe betrachten wir das Verfassen philosophischer Essays, da einerseits die Diskurse des Faches maßgeblich im Medium der Sprache verfasst und verhandelt werden, andererseits die Entwicklung sprachlicher Ausdrucksfähigkeit im Zentrum des Schulprofils steht.

In Hinblick auf das Abitur bietet das Fach Philosophie eine Vielzahl an Möglichkeiten thematischer Akzentuierung. Es setzt aber auch hohe Ansprüche an die spontane Argumentationskompetenz unter Prüfungsbedingungen. Folgende Auswahl der Abiturthemen aus dem Jahr 2016 soll das inhaltliche Spektrum exemplarisch illustrieren:

  • Hat sich der Mensch im Laufe seiner Geschichte weiterentwickelt und wie ließe sich diese Frage überhaupt beantworten?
  • Was ist das Lebendige am Lebendigen? Der Mensch zwischen Gehirn und Geist
  • Die Vorsokratiker – Vorläufer moderner Wissenschaftlichkeit?
  • Inwiefern wirkt sich die Unausweichlichkeit des Todes auf die Lebensführung der Menschen aus?

Text: Herr Lilienthal (Schuljahr 2016/17)